Wie alles begann

Alter Hof
Karte Dannenberg

Unser Hof liegt im schönen Wendland  im östlichsten Teil von Niedersachsen. Bekannt ist diese Region durch Gorleben geworden. Die Entscheidung von 1977, hier, in diesem beschaulichen Landstrich, die größte Wiederaufarbeitungsanlage für Atommüll zu bauen, hat viel Unruhe, aber auch viele Veränderungen gebracht. So auch auf dem Hof der Familie Tietke.

Eine GruppeBerliner  AKW-Gegner haben in der Scheune in Gross Breese ein Windrad für den Spielplatz auf dem Waldbrandgelände gebaut, eines von vielen Widerstandssymbolen.
In Berlin hatte diese “Bastelgruppe” ein Cafe und eine Foodkoop, die auf der Suche nach ökologisch erzeugtem Gemüse und Kartoffeln waren.

So kam schnell die Frage auf, ob das nicht ein neuer Betriebszweig auf dem Hof der Familie Tietke werden könnte. Der Sohn hatte gerade die Landwirtschaft vom Vater übernommen,  nach Vorgaben der Beratung einen modernen Schweinemaststall gebaut, die Kühe abgeschafft, da passte Gemüseanbau nicht in das Konzept.
Aber da war noch die Mutter, die  jahrelang aktiv auf dem Hof mitgearbeitet  hatte, Feriengäste bekocht, die Kühe gemolken und die Schweine ausgemistet.  Diese Arbeiten wurden nach der Umstrukturierung weniger, die damals 54zigjährige ergriff die Chance  und baute auf einem kleineren Acker Möhren und Kartoffeln an, so wie in ihrem eigenen Garten ohne Einsatz von Chemie.
Das war richtig schwere Arbeit. Ausgerüstet mit der Lesebrille ist sie bei Wind und Wetter losgezogen, um auf Knien den Kampf gegen Melde, Vogelmiere und andere Unkräuter (im Ökolandbau liebevoll Beikräuter genannt) zu führen.
So manchen Spott musste sie über sich ergehen lassen, wenn zum Beispiel ein Nachbar, der jeden Tag die Kühe von der Weide geholt hat, ihr zurief: „Wanda, du musst spritzen, sonst wird das nicht.“ Und lachend weiter gefahren ist.

Möhrenernte

Im Herbst wurden über 1000 kg mit der Hand geerntet und mit einem alten Kleinlaster nach Berlin transportiert.
Der erste Schritt zum Ökolandbau war getan. Ein guter Freund aus Hamburg war ein begeisterter Anhänger der Wurst von unserer Hausschlachtung. Also haben wir nicht zwei Schweine geschlachtet, sondern drei. Der Anfang war gemacht.
Wir konnten uns gar nicht so schnell entwickeln, wie die Nachfrage gestiegen war. Ein kleiner Hofladen wurde eingerichtet. Urlauber aus der Stadt kamen bald als regelmäßige Kunden, der Verkauf fand im Keller aus den Regalen für unsere Vorräte statt.
Als einmal ein Ehepaar aus Hamburg traurig meinte, jetzt würde es wieder bis zum  Sommer dauern, bis sie wieder die gute Wurst bekommen könnten, ließ sich Ernst Tietke dazu verleiten folgenden Satz zu sagen: “Wenn ihr eine Bestellung von 500,00DM zusammenbekommt, dann liefern wir auch zu euch nach Hamburg.“
Ein kleiner Satz mit großen Folgen. Es dauerte nicht einmal 2 Wochen und die erste Bestellung war da mit einem Lieferwert von 634,00DM. Das war 1984, wir hatten den Hof inzwischen ganz auf ökologischen Landbau umgestellt. Danach sind wir über 15 Jahre jede Woche nach Hamburg gefahren und haben hauptsächlich Privathaushalte, aber auch Bioläden, Hotels und Restaurants beliefert.